Am 12. und 13. September 2019 trafen sich Vertreter der vier deutschen Braunkohleregionen – Helmstedt, Rheinland, Mitteldeutschland und der Lausitz – sowie Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zum vierten Vernetzungstreffen in Großräschen. Ziel war der Erfahrungsaustausch der Leadpartner im Bundesmodellvorhaben „Unternehmen Revier“. Neben den Vorträgen und Diskussionsrunden präsentierte die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH als Gastgeber anwendungsorientierte Forschungsvorhaben der Lausitz beispielgebend an der BTU Cottbus-Senftenberg.

Dazu ging es an den Campus Senftenberg der BTU Cottbus-Senftenberg. Es stellten sich die Fachgebiete Thermodynamik/Phototrope Biotechnologie und Molekulare Zellbiologie mit dem Themenschwerpunkt „Photobioreaktoren: Kultivierung von Mikroalgen und stoffliche Nutzung von Algenbiomasse (Gewinnung von Wertstoffen)“ vor. Zuerst ging es in das Technikum am Campus. Dort erklärte Dr. Peter Waldeck anschaulich die Kultivierung von Mikroalgen im geschlossenen und offenen Photobioreaktor. Algenkulturen in der Größenordnung bis zu 500 L können hier gezüchtet werden. Für die Besucher war es überaus interessant, dass die Mikroalge Spirulina, eine der am meisten industriell genutzten Mikroalgen, für die verschiedensten Anwendung bereits genutzt wird. Prominente Beispiele sind blaue Gummibärchen oder Smarties®, für welche der blaue Farbstoff der blau-grünen Mikroalge genutzt wird. Viele Menschen kennen Spirulina bereits als Nahrungsergänzungsmittel, da sie reich an Vitaminen ist und eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben soll. Seit längerem beschäftigt sich die Arbeitsgruppe Phototrophe Biotechnologie um Prof. Ingolf Petrick mit der bioenergetischen Nutzung von Mikroalgen, d.h. mit der  Produktion von Biodiesel durch Mikroalgen. Neue Ansätze werden gemeinsam mit dem Unternehmen Carbon Biotech AG verfolgt. Das Unternehmen ist ein neues StartUp der BTU Cottbus-Senftenberg. Die Ziele wurden von Tassilo Küpper, Mitbegründer der Carbon Biotech AG, vorgestellt. Hier ist das Hauptziel, mittels Mikroalgen große Mengen an Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre in Makromolekülen zu binden. Damit soll ein Beitrag für den Klimaschutz geleistet werden. Neben der langfristigen Sequestrierung von Kohlenstoff in Mikroalgenprodukten sollen Inhaltsstoffe dieser Organismen auch in den verschiedensten Bereichen wie der Lebens- und Futtermittelindustrie oder als Zusatzstoff für eine gesteigerte Fruchtbarkeit von Böden genutzt werden. Parallel sollen Extrakte aus Spirulina im Institut für Biotechnologie wissenschaftlich hinsichtlich ihrer positiven Wirkung auf humane Zellen getestet werden. In diesem Bereich kommt das Fachgebiet Molekulare Zellbiologie des Instituts zum Zug. Dort sollen humane Zelllinien mit diesen Mikroalgen-Extrakten versetzt werden. Die Auswirkungen auf den Zellstoffwechsel können in den Forschungslaboren mit Hilfe modernster Technologien auf der Molekülebene aber auch auf zellulärer Ebene untersucht werden. Ergebnisse, die für medizinische Anwendungen relevant sind, können für neue Produktentwicklungen verwendet werden.

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