Interview mit dem Leichtbau-Transferscout Marco Lubosch

[Quelle: BTU NEWS, No. 52, September 2018, 16. Jahrgang]

Was macht ein Transferscout eigentlich genau? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der Transferscout Leichtbau an der BTU Cottbus-Senftenberg, Marco Lubosch, im Interview.

Sie sind Transferscout im Bereich Leichtbau im Rahmen des BMBF-Projektes Innovation Hub 13. Woran arbeiten Sie?

MARCO LUBOSCH: Einen typischen Arbeitstag im Leben eines Transferscouts gibt es nicht. Unsere Arbeit beinhaltet den gesamten Forschungs- und Entwicklungstransfer. Zum einen geht es für die Scouts darum, aktuelle Entwicklungen bei den Projektpartnern zu erfassen und an potentielle Nutzer in der Wirtschaft heranzutragen. Dazu müssen wir natürlich fachlich sehr gut in unseren Bereichen aufgestellt und über Möglichkeiten und Grenzen neuer Technologien informiert sein. Es geht aber auch darum Ansprechpartner für die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft zu sein, damit die Wünsche und Anwendungsfelder an die Forschungsinstitute herangetragen werden können.

An der BTU und der Technischen Hochschule Wildau arbeiten Transferscouts. Wie ist die Zusammenarbeit untereinander?

MARCO LUBOSCH: Interessant und neu an der Idee des Innovation Hub 13 ist die institutsübergreifende Zusammenarbeit der Transferscouts. Wenn sich die großen Forschungseinrichtungen zusammenschließen ergeben sich Synergieeffekte für Einrichtungen, aber insbesondere auch für die Wirtschaftspartner. Die Zusammenarbeit auf fachlicher Ebene wird vor allen Dingen durch die Transferscouts initiiert. Deshalb ist der kurze Draht zwischen uns und die gute Vernetzung innerhalb ihrer Einrichtungen extrem wichtig.

Wo sehen Sie Herausforderungen?

MARCO LUBOSCH: Insbesondere bei kleinen Unternehmen stellen wir oft fest, dass diese in ihrem Tagesgeschäft so stark eingebunden sind, dass sie sich wenig Gedanken über die Entwicklungen für die nächsten Jahre machen können. Als Transferscouts sorgen wir hier dafür, dass kleine Unternehmen nicht abgehängt werden und weisen diese auf aktuelle technologische Entwicklungen hin. Für uns wird die große Herausforderung darin bestehen, die vielen kleinen Unternehmen der Region zu erreichen. Informationsportale und eine Vielzahl an Veranstaltungen sollen den Kontakt intensivieren.

Was werden die nächsten Schritte sein?

MARCO LUBOSCH: Unsere Arbeit beinhaltet neben den Technologie-Scoutings auch die enge Zusammenarbeit mit Kammern, Verbänden und Wirtschaftsförderern. Wir sind derzeit dabei enge Kooperationen mit allen wichtigen Institutionen in Brandenburg und Sachsen aufzubauen. Neben den Besuchen von Firmen, versuchen wir auch auf möglichst vielen öffentlichen Veranstaltungen präsent zu sein, um mit Interessierten ins Gespräch zu kommen. Am 17. Oktober werden wir den 3. btutransfertag veranstalten, zu dem wir eine Reihe aktueller Entwicklungen aus den Bereichen Leichtbau, Life Science und Digitale Integration vorstellen werden.

Was sind aktuelle Trends im Leichtbau in der Region?

MARCO LUBOSCH: Durch Gewichtseinsparung versucht man Bauteile mit möglichst wenig oder besonders leichtem und kosteneffizientem Material herzustellen, die dennoch in der Lage sind hohe Anforderungen zum Beispiel an Festigkeit und Steifigkeit zu erfüllen. Insbesondere dort, wo die Bauteile schnell beschleunigt oder über lange Strecken bewegt werden müssen, ist der Leichtbau relevant, beispielsweise in Luft- und Raumfahrt, Fahrzeug- und Maschinenbau. Was den Leichtbau derzeit aber so interessant macht, ist die Fülle an neuen Fertigungsverfahren. Neben klassischen Verfahren wie dem Schweißen, Schmieden, der mechanischen Bearbeitung, der Oberflächenbehandlung und vielem mehr ist die BTU stark an der Entwicklung von additiven und hybriden Fertigungsverfahren beteiligt. Bei der additiven Fertigung wird das Werkstück zum Beispiel aus einem aufgerollten Schweißdraht oder einem Pulverbett Schicht für Schicht aufgebaut. Diese Fertigungsverfahren bieten den großen Vorteil, dass dafür keine Ausgangsform außer einem Computermodell notwendig ist und sich Geometrien wie Hohlräume realisieren lassen.

Insbesondere durch die Kombination unterschiedlicher Fertigungsverfahren lassen sich die Vorteile einzelner Technologien in hybriden Fertigungsverfahren vereinen. Das Schmieden beispielsweise sorgt für eine verbesserte Gefügestruktur für höhere Belastungen. Wird das Verfahren mit einem additiven Schweißprozess und anschließender mechanischer Bearbeitung kombiniert, entstehen ganz neue Möglichkeiten Bauteile leichter und stabiler werden zu lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Marco Lubosch (re.) im Gespräch mit dem Doktoranden Andreas Neumann über die neue Schmiedepresse im Forschungszentrum Panta Rhei.

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